Feuerwehr Büdingen

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Er macht Musik

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Seit einem Monat dirigiert Alexander Gröb den Musikzug

Kreis-Anzeiger vom 02.12.2012 - von Elke Kaltenschnee (Text und Bild)

Als Kind hatte Alexander Gröb ein regelrechtes Erweckungserlebnis. Bei seinem Onkel, der über eine ansehnliche Klassik-Schallplattensammlung verfügte, hörte er im Alter von etwa acht Jahren eine Platte mit Musik von Haydn und Telemann. „Es spielte der legendäre französische Klassik-Trompeter Maurice André und ich dachte: ‚Das willst du auch können.‘“ In diesem Augenblick fiel die Entscheidung, Trompete spielen zu lernen. Dabei habe ihm der Blockflötenunterricht in der Schule die Musik fast verleidet.

In bester Erinnerung hat Alexander Gröb dagegen seinen Musiklehrer am Niddaer Gymnasium, Volker Bilz. „Er war als Pädagoge und als Musiker eine Koryphäe.“ Auch das Musizieren im Schulorchester und im Blechbläserorchester hat Alexander Gröb Spaß gemacht. „Doch in der Schule ist die individuelle Förderung auf speziellen Instrumenten nicht möglich“, sagt er. Auch sein damaliger Wohnort Eichelsdorf war nicht gerade der beste Standort für einen Heranwachsenden, der vom Musikmachen nicht nur träumt, sondern für den Trompete spielen Berufung ist. Zwei Wochen nach seinem 18. Geburtstag und in Besitz eines Führerscheins der Klasse 3 setzte sich Alexander Gröb also ins Auto und fuhr nach der Schule nach Frankfurt. Dort nahm er Unterricht bei Wolfgang Guggenberger, einem Profimusiker, der im Orchester der Frankfurter Oper als Trompeter arbeitete. Das war ein Meilenstein in Alexander Gröbs musikalischer Entwicklung.

Nach dem Abitur im Jahr 1992 musste er freilich erst einmal eine Trompeten-Zwangspause einlegen. Einer seiner Weisheitszähne drückte auf einen Nerv und musste behutsam behandelt werden. „Nach einer solchen Pause beherrschst du zwar noch die Theorie, aber mit dem Spielen fängst du praktisch von vorne an“, sagt Alexander Gröb rückblickend. Er begann ein Studium an der Justus-Liebig-Universität in Gießen. Musikwissenschaft und Musikpädagogik. Drei Jahre später nahm er ein Trompetenstudium bei Professor David Tasa an der Musikhochschule in Frankfurt auf. „Der Professor hat mir viel beigebracht: Musikalität, spezielle Techniken, Solo- und Orchesterspielen: alles, was man braucht, das ganze Handwerkszeug. Er war mein wichtigster Lehrer“, sagt Gröb. Der Trompeter besuchte viele Meisterkurse und absolvierte an der Bundesakademie für musikalische Jugendbildung im baden-württembergischen Trossingen eine Ausbildung zum Dirigenten.

Ja, Alexander Gröb ist seinen Weg gegangen – und das zielstrebig. Seinen Eltern ist der 44-Jährige in diesem Zusammenhang sehr dankbar. „Sie haben mich machen lassen, als ich Musiker werden wollte.“ Gleichwohl musste er schon als Schüler seine Instrumente von seinem eigenen Geld kaufen. Also trug er Zeitungen aus und arbeitete auf dem Bau. Seine Eltern hätten ihm allerdings immer erlaubt, an Orchesterfahrten oder Musikfreizeiten teilzunehmen: „Sie haben nie ‚Nein‘ gesagt und mich sehr früh zu Selbstständigkeit erzogen. Ich wurde auch nie zum Üben gezwungen. Ich wollte es ja selbst.“ Noch heute fühlt sich Alexander Gröb am wohlsten, wenn er allein für sich auf einer seiner vielen Trompeten spielt. „Da will keiner was von mir. Da bin ich ganz bei mir“, sagt er. Alexander Gröb lacht breit, als er anfügt: „Heutzutage würde man sagen, ich bin ein Nerd.“

Auf die Frage, was wichtiger sei, Talent oder Fleiß, erwidert er: „Beides. Es muss sich die Waage halten. Es gibt Hochtalentierte, die sind zu faul oder ihr soziales Umfeld unterstützt sie nicht genug und es wird nichts. Aber es gibt auch Leute, die üben und üben und kommen auf keinen grünen Zweig.“ Der 44-Jährige vereint Talent mit Fleiß: Das zeigen nicht nur seine Studien, sondern das zeigt auch seine Vita. Bereits mit 18 Jahren unterrichtete er zum ersten Mal Trompeten-Schüler. Er sei ins Unterrichten geradezu hineingeschubst worden: „Wenn man ein passables Niveau erreicht hat, gibt es Leute, die einen fragen, ob man sie unterrichten kann“, sagt er, bevor er fortfährt: „An der Gießener Musikschule unterrichte ich…“ Er stockt, denkt nach und sagt lachend: „… eigentlich schon immer.“ Auch an der Büdinger Musik- und Kunstschule (Muks) hat er – bis 2015 – 16 Jahre lang Trompetenunterricht gegeben. Sieben Jahre war er Solotrompeter des Südhessischen Kammerorchesters Bad Orb. Bis 2014 leitete er über viele Jahre das Jugendorchester der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt Büdingen, eine Kooperation mit der Büdinger Muks. Aktuell dirigiert er das Stammorchester des Musikzugs der Freiwilligen Feuerwehr Blofeld, den Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr Bönstadt (Niddatal) und den Posaunenchor der evangelischen Kirche Langen-Bergheim. Er spielt im Kammerorchester Collegium Musicum in Frankfurt, gibt Solokonzerte und spielt in Orchestern der Region Trompete. Zehn Jahre lang war er zudem Mitglied der Deutschen Bläserphilharmonie.

Darauf ist Alexander Gröb sehr stolz: „Das ist die Nationalmannschaft der Blasorchester. Dafür kann man sich nicht bewerben; man wird ausgesucht.“ Der Dirigent des Orchesters David Gilson fragte ihn 2001, ob er Lust habe mitzumachen. „Klar, das ist eine große Ehre“, lautete Alexander Gröbs Antwort und nach einer gemeinsamen Probenwoche wurde er Teil der hochprofessionellen Bläserphilharmonie. Beim Erzählen kommt der Trompeter ins Schwärmen: „Die Musiker sind zu 90 Prozent Profis und zu zehn Prozent Amateure. Wir haben das gespielt, was ich – angelehnt an Karate –‚Schwarzer-Gürtel-Stücke‘ nenne: ‚The Year of the Dragon‘, ‚Music of the Spheres‘, ‚Pictures of Imaginary Windscape‘.“


Seit dem 1. November dirigiert Alexander Gröb nun den Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt Büdingen. Schon als Arno Dittrich das Orchester noch leitete, sprang er gelegentlich ein, „wenn Arno verhindert und Not am Mann war“. Man kennt sich also. Bereits Mitte September hat eine erste, sehr gut besuchte Probe stattgefunden.

Auf die Zusammenarbeit mit den Musikern freut sich Alexander Gröb: „Der Musikzug hat eine solide musikalische Grundlage, ein toll gepflegtes Archiv, gute Leute, ein gutes Niveau und eine gesunde Infrastruktur.“ Er habe sich als erste Maßnahme die Repertoire-Mappe des Orchesters vorgenommen und den Inhalt auf zwei Stapel verteilt: „Fliegt raus“ und „Spielen wir weiter“. 65 Stücke habe er aussortiert: „Veraltet, abgedroschen, Arrangement nicht gut“. Im Archiv habe er Stücke gefunden, bei denen er sich gefragt hat: „Warum versauern die hier?“ Einige Feuerwehrorchester in der Region spielten vor allem Polka, Walzer, Marsch und Schlager.

Der Musikzug der Büdinger sei anders. „In seinem Repertoire finden sich Klassiker und Ohrwürmer neben modernen Stücken. Das gefällt mir, weil ich mich in meiner Arbeit nicht auf Genres festlegen lassen möchte.“ Alexander Gröb ist es zudem wichtig, dass in einem Orchester positive Grundstimmung herrscht: „Die Leute wollen sich nicht ärgern. Sie kommen aus dem Alltagsstress, und wollen Musik machen, eine gute Zeit haben.“ Das will er unterstützen. Für den Musikzug der Büdinger Feuerwehr sind das gute Aussichten.

  • INFOS

Wer sich im Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt Büdingen engagieren möchte, kann ganz unverbindlich an einer der Proben teilnehmen. Sie finden freitags im Brandschutzzentrum der Büdinger Feuerwehr (Orleshäuser Straße 14) statt. Das Jugend- und Nachwuchsorchester probt unter der Leitung von Jaroslav Zakoucky von 18 Uhr bis 19.30 Uhr; der Musikzug unter der Leitung von Alexander Gröb von 20 Uhr bis 22 Uhr.

Der Musikzug und das Jugend- und Nachwuchsorchester werden an Silvester unter anderem beim traditionellen Turmblasen im Schloss (14 Uhr) spielen. Auch der Feuerwehrball am Samstag, 13. Januar, in der Willi-Zinnkann-Halle (20 Uhr) ist ein fester Termin für die beiden Ensembles. Der Nachwuchs lädt zudem für Sonntag, 17. Dezember, zu einem eigenen Konzert ein. Am 3. Advent spielt das Orchester in der evangelischen Kirche in Düdelsheim. Beginn ist um 17 Uhr. Bei freiem Eintritt dürfen sich die Gäste auf weihnachtliche Musik und konzertante Stücke freuen.

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