Feuerwehr Büdingen

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Alles kein Hexenwerk

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Probenbesuch beim Jugend- und Nachwuchsorchester

Bericht des Kreis-Anzeiger vom 14.12.2017 (Text und Bild von Elke Kaltenschnee)

Es ist Freitagabend kurz vor sechs. Draußen ist es dunkel. Vom Himmel schneien dicke Flocken. Drinnen im Unterrichtsraum probt Torsten Spielmann mit zwei Kindern Trompete. "Vororchester" heißt das bei den Musikern der Freiwilligen Feuerwehr hier im Brandschutzzentrum. Die ganz Jungen werden mit ihrem Instrument vertraut gemacht, lernen Grundlagen und werden nach und nach auf das Jugend- und Nachwuchsorchester vorbereitet. Im Hof steht Holger Kuhl, Leiter der Musikabteilung der Büdinger Feuerwehr, unterhält sich mit Doris Hanauer und raucht vor der Probe noch eine Zigarette. Während die Kleinen ihre Instrumente einpacken, trudeln die Musiker des Jugend- und Nachwuchsorchesters ein.

Valeria Schledwitz besucht die sechste Klasse des Wolfgang-Ernst-Gymnasiums. Die Bläserklasse, um genau zu sein. Dort spielt die Elfjährige seit der fünften Klasse Altsaxofon. Nach den Sommerferien hat das schlaksige Mädchen mit der Sternenmütze in die Proben des Orchesters hineingeschnuppert und seitdem ist sie dabei: "Es macht mir großen Spaß", sagt sie. Petra Engelhard und ihre Querflöte sind auf ganz anderem Weg zum Orchester gekommen. "Mit zwölf oder 13 Jahren habe ich mit meiner Schwester und meinen beiden Cousinen Piccoloflöte gelernt. Das ist jetzt 30 Jahre her." Flötespielen habe ihr Spaß gemacht und es habe ihr auch gelegen. Aufgehört hat sie trotzdem: "Weil die anderen keine Lust mehr hatten. Heute denke ich: Wie blöd, das damals war, wegen der anderen aufzuhören." Die 44-Jährige wollte schon seit langem wieder Flöte spielen und hat diesen Wunsch wahr gemacht. Julia Leitner wiederum hat 2010 begonnen, Altsaxofon zu spielen. Feuerwehrmusik hat in ihrer Familie Tradition: Ihr Vater Jörg spielt seit 40 Jahren Tenorhorn im Musikzug und ihr Opa war lange Jahre dort aktiv. Angefangen hat die 17-Jährige im Vororchester. "Als ich besser wurde, kam ich ins Jugendorchester und spiele seit zwei Jahren auch im Musikzug." Auch ihr macht das Musizieren in der Gruppe Spaß. "Ich bin gerne hier", sagt sie und lacht: "Altsaxofon ist zwar ein schwer zu lernendes Instrument, aber Übung macht den Meister."

Im Orchester musizieren neben Kindern und Jugendlichen auch erwachsene Neueinsteiger und Wiedereinsteiger. Ihnen allen sind während der Proben und Konzerte erfahrene Paten zur Seite gestellt. Holger Kuhl kümmert sich um die Tenorsaxofone, Dieter Hanauer um die Posaunen, Jörg Leitner um die Tenor- und Baritonhörner. Torsten Spielmann hat - wenn alle zu den Proben kommen - fünf Patenkinder um sich: Er unterstützt die Trompeter.

An diesem Freitagabend probt das Blasorchester für das Adventskonzert in Düdelsheim. "Wir fangen mit dem Weihnachtsmedley an", sagt Dirigent Jaroslav Zakoucky: "Leise rieselt der Schnee", "Ihr Kinderlein kommet", "Es ist ein Ros entsprungen", "Zu Bethlehem geboren". Der schmale Mann steht am Dirigentenpult und hebt kraftvoll den Taktstock. Konzentriert blicken die Musiker auf ihre Notenblätter. Posaunen, Trompeten, Hörner, Flöten, Klarinetten, Saxofone, Tuba, Schlagzeug, Becken: Jeder spielt seinen Part und im Zusammenspiel entsteht das Klangerlebnis. Nicht immer treffen alle die richtigen Töne, aber das hier ist ja kein Konzert, sondern eine Orchesterprobe. Jaroslav Zakoucky lässt die holprigen Passagen wiederholen. Hier möchte der Dirigent "Staccato", dort "Crescendo". Oder er sagt: "Bei Takt 75 ein 'Tempo di Walzer'. Am Anfang machen wir 'Forte', aber nur die ersten zwei Takte, den Rest 'Mezzo Forte'." Die Musiker machen sich Notizen. Neulinge dürften die musikalischen Begriffe erst einmal vor Probleme stellen. "Das ist alles kein Hexenwerk und keiner der Neuen braucht Angst zu haben", beruhigt Holger Kuhl. "Wir Paten helfen, wo wir können." Die fünf Musiker aus dem Stammorchester spielen jedoch nicht nur mit, um die anderen zu unterstützen. "Wir beziehen einen Teil unseres Nachwuchses aus den Bläserklassen der Schulen oder den Musikschulen. Doch wenn fünf Jugendliche Trompete spielen und keiner Tuba, dann ist das noch kein Orchester. Wir spielen auch mit, um die Besetzung zu gewährleisten."

Mit einem Geburtstagsständchen für die Baritonhornistin und Wiedereinsteigerin Silvia Roth schließt Zakoucky nach arbeitsamen und musikintensiven anderthalb Stunden die Probe. Die meisten Musiker packen ihre Instrumente ein. Noch eine halbe Stunde, dann probt an gleicher Stelle der Musikzug. "Im Orchester muszieren, das ist etwas Anderes als daheim. Allein kannst du spielen, wie du willst. Hier musst du dich an die Gruppe anpassen. Das ist für viele eine gute Erfahrung. Die meisten, die einmal bei uns angefangen haben, bleiben auch dabei", sagt Kuhl, bevor er seinen Platz einnimmt. Die nächste Probe beginnt.

Interview mit Jaroslav Zakoucky: Vielleicht fürs ganze Leben

Seit 2015 leitet Jaroslav Zakoucky das Jugend- und Nachwuchsorchester der Freiwilligen Feuerwehr. Der Kreis-Anzeiger hat mit dem Musiker und Dirigenten über Freude am Musizieren, Präzision und Gruppengeist gesprochen.

Das Jugend- und Nachwuchsorchester ist eine heterogene Gruppe. Wirkt sich das auf Ihre Arbeit als Dirigent aus?

Ja, es ist schon schwierig, weil das Orchester auf der einen Seite aus Neulingen besteht und auf der anderen Seite aus Orchestermitgliedern, die schon lange Musik machen. Man muss als Dirigent einen Weg finden, damit alle zusammen musizieren können. Wichtig ist die Auswahl der Stücke.

Wie kommt es, dass aus dem reinen Jugendorchester das Jugend- und Nachwuchsorchester wurde?

Das Jugendorchester der Freiwilligen Feuerwehr gibt es schon sehr lange. Vor etwa vier Jahren haben wir versucht, eine Erwachsenen-Bläserklasse zu gründen. Damals waren wir etwa sieben oder acht Personen. Diese Bläserklasse hat sich aufgelöst, aber einige der damals Aktiven spielt seither im Jugend- und Nachwuchsorchester. Es wurde damals sozusagen für Erwachsene geöffnet. Zudem machte dem Musikzug die Einführung von G8 zu schaffen. Es wurde schwieriger, Nachwuchs zu finden, weil die Schüler weniger Zeit hatten.

Wie hoch ist die Fluktuation?

Es gibt keine. Die meisten sind im Orchester, seit ich es übernommen habe; doch es sind neue Musiker hinzugekommen. Anders als im Einzelunterricht gibt es hier einen Gruppengeist, der alle verbindet. Die Älteren kümmern sich um die Jungen, sie helfen ihnen, die Stücke zu meistern. Das ist schön und funktioniert gut.

Wie lange proben Sie für ein Konzert wie das am 17. Dezember in Düdelsheim?

Für dieses Konzert proben wir seit den Sommerferien. Wir spielen nicht nur Weihnachtslieder, sondern auch Stücke, die wir früher schon einmal eingeübt haben, die also zu unserem Repertoire gehören. Wir haben diese Stücke wiederaufgenommen. Dazu gibt es neue wie etwa „Cinderella’s Dance“.

Ist es etwas Anderes mit Jugendlichen und Wiedereinsteigern zu spielen als ausschließlich mit Erwachsenen?

Ja, das ist es. Der Umgang mit Jugendlichen und Neulingen ist anderes als mit erfahrenen Musikern. Mir geht es darum, dass die Jugendlichen mit Freude zur Probenstunde kommen. Für viele ist Musik ja absolutes Neuland. Sie sollen Spaß haben und Musik als Hobby entdecken, vielleicht fürs ganze Leben. Bei aller Freude ist mir aber die Präzision der Ausführung wichtig, um eine gute Grundlage für das Musizieren zu schaffen.

Der Dirigent

Jaroslav Zakoucky wurde 1962 in Prag geboren. Dort studierte er später Musik und sammelte in den achtziger Jahren erste Erfahrungen als Posaunist und Tenorhornist in verschiedenen Orchestern. Seit 1991 ist er als Solo-Posaunist im Südhessischen Kammerorchester und anderen kammermusikalischen Formationen tätig. Seine große Leidenschaft gilt der Blasmusik. Viele Jahre spielte er als Erster Tenorhornist bei der „Original Kapelle Egerland“. Zakoucky arbeitet als Musiker und Dirigent bei einigen Blasorchestern der Region. Bereits seit 1993 ist er Lehrer für Blechblasinstrumente an der Musik- und Kunstschule Büdingen und an der Musikschule Main-Kinzig in Gelnhausen. Das Jugend- und Nachwuchsorchester der Büdinger Feuerwehr leitet Jaroslav Zakoucky seit 2015.

Das Orchester

Zu dem etwa 20-köpfigen Jugend- und Nachwuchsorchester gehören nicht nur junge Musiker, die Orchestererfahrung sammeln möchten, sowie Stammmusiker, die die Neulinge als Paten unterstützen. Zur Besetzung gehören auch Bläser, die nach musikalischer Pause wieder eingestiegen sind, und Erwachsene, die eigentlich schon immer ein Instrument lernen wollten, aber diesen Wunsch erst als Erwachsene verwirklichen konnten. Zum Repertoire des Blasorchesters gehören neben Marsch und Polka auch Filmmusik und Schlager sowie Literatur, die der Dirigent dem Leistungsstand der Nachwuchsmusiker entsprechend auswählt. Das Orchester ist ein Gemeinschaftsprojekt der Freiwilligen Feuerwehr und der Musik und Kunstschule Büdingen. Es probt freitags von 18 bis 19.30 Uhr im Brandschutzzentrum, Orleshäuser Straße 14, in Büdingen. Interessenten können unverbindlich bei einer Probe zuschauen und zuhören. Wer sein Musikinstrument mitbringt, kann bei den Proben mitmachen.

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